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Sinti und Roma:

Europaweit verfolgt, diskriminiert und sozial ausgegrenzt

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Am 16. Mai gedachte der schleswig-holsteinische Landesverband Deutscher Sinti und Roma ihrer etwa 400 Angehörigen, die in den faschistischen Vernichtungslagern starben. Insgesamt fielen eine halbe Million Sinti und Roma der gezielten Vernichtung zum Opfer. Am 16. Mai 1940 begannen die Deportationen von Sinti und Roma aus Norddeutschland in die Konzentrations- und Arbeitslager. Der Gedenkstein im Hiroshimapark, an dem das jährliche Gedenken stattfindet, wurde im Mai 1997 eingeweiht.

Ein Verteter der jüdischen Gemeinde wies auf gemeinsame Leidenserfahrungern ihrer Bevölkerungsgruppen während des Faschismus aber auch auf Beispiele gelebter Solidarität hin. Die Minderheitenbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, der Kieler Oberbürgermeister und die ehemalige Ministerpräsidentin Heide Simonis hoben in ihren Gedenkreden auf vielfältige Bemühungen des Landes und der Stadt hin, gesellschaftliche Diskriminierungen abzubauen und die soziale Integration der Sinti und Roma zu verbessern.

So erfahren Kinder und Jugendliche aus Sinti - und Romafamilien ab dem kommenden Schuljahr 2014/15 eine besondere Unterstützung. Die Schülerinnen und Schüler der Minderheit werden künftig in der Schule von zwölf Sintezzas und Sintos betreut, die sich über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren zu Bildungsberaterinnen und -beratern qualifiziert hatten. Aufgabe der Bildungsberaterinnen und -berater ist es, die Schülerinnen und Schüler der Minderheit zu unterstützen. Sie helfen bei sprachlichen Schwierigkeiten und übernehmen die Hausaufgabenbetreuung. Zugleich informieren die Frauen und Männer in den Schulen über die Kultur der Sinti und Roma, schlichten bei Konflikten und versuchen die Eltern der Kinder und Jugendlichen vom Wert einer guten Bildung und einem regelmäßigen Schulbesuch zu überzeugen. Sie sind landesweit tätig und decken den Bereich von der Kindertageseinrichtung über die Grundschule bis zu den weiterführenden Schulen oder der Beruflichen Schule ab. Ergänzt wird dieses Projekt durch die Arbeit von vier Mediatorinnen - ebenfalls Sintezzas - die seit vielen Jahren an Kieler Schulen arbeiten. Die Qualifizierungsmaßnahme wurde von den Jobcentern, dem Berufsbildungszentrum Schleswig und dem Bildungsministerium des Landes Schleswig-Holstein getragen.

Leider vermieden es die Festredner, die soziale Situation der in Schleswig-Holstein lebenden nichtdeutschen Sinti und Roma zu thematisieren. Mitglieder dieser Minderheit – Flüchtlinge, die gewalttätigen Pogromen in Ungarn oder anderen EU-Mitgliedsländern entkommen sind, oder Asylsuchende Roma aus Serbien, Mazedonien und dem Kosovo – bleiben verfassungsschutzlos. Wenn es ihnen glückt, nach Deutschland zu entkommen, werden diese Menschen hier pauschal als Asylbetrüger und Wirtschaftsmigranten verunglimpft. Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein fordert einen sofortigen Abschiebestopp, ein Bleiberecht und Integrationsförderung für Roma aus diesen Herkunftsstaaten.

Mit einer gemeinsamen Postkartenaktion zur Europawahl appellieren der Landesverband der Deutschen Sinti und Roma und der Flüchtlingsrat Schleswig-Holsteins an das Europäische Parlament, sich für eine wirksame europäische Antidiskriminierungspolitik zugunsten von Roma innerhalb und außerhalb Europas einzusetzen. „Roma sind für die Herrschenden innerhalb und außerhab der EU nicht einmal als Souverän des Parlamentarismus von Bedeutung. Stattdessen werden die Mitglieder dieser ethnischen Minderheit seit Jahrzehnten in den Ländern wo sie leben durch öffentliche Stellen oder von diesen geduldet verfolgt, diskriminiert und sozial ausgegrenzt - und dies ist offenbar weder für den Europäischen Rat noch für die Kommission der Rede wert.“

text/fotos:gst