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Erfolg für Fracking-Gegner

Fracking

Das kanadische Unternehmen PRD Energy Inc. zieht sich aus Deutschland zurück - das gab das Unternehmen am 29.7.2014 in einer Mitteilung bekannt. ( www.prdenergy.de/en/investors/news-releases ). Mit seiner hundertprozentigen Tochterfirma PRD Energy GmbH ist das Unternehmen in Deutschland vertreten und besitzt zahlreiche Fracking-Lizenzen im gesamten Bundesgebiet. Doch jetzt erfolgt der Ausstieg: Die Firma beabsichtige auf ihre Lizenzen zu verzichten; die Mitarbeiter werden noch bis zum 31. August beschäftigt, dann soll das Berliner Büro geschlossen werden.

Das Unternehmen führt mehrere Gründe für seinen Rückzug an.Von zentraler Bedeutung für die Entscheidung des Unternehmens seien dabei neben des drastischen Rückgangs der weltweiten Rohstoffpreise vor allem auch die zu geringen Profiterwartungen in Deutschland aufgrund der politischen Vorgaben - verbunden mit dem erheblichen gesellschaftlichen Widerstand in den betroffenen Regionen.

Diesen Widerstand konnte PRD zum Beispiel in Schleswig-Holstein hautnah erfahren: Das Unternehmen besitzt unter anderem die Aufsuchungserlaubnis für Fracking-Probeerkundungen für Felder in fast allen Regionen Schleswig-Holstein: von Nordfriesland bis südlich von Hamburg, von Friedrichskoog bis kurz vor Lübeck. Aufsuchungserlaubnis und Bewilligung sind Fachausdrücke, die vorgaukeln, dass ein reales Fracking-Vorhaben noch in weiter Ferne liegt. Zunächst geht es nur um das Abstecken von Rechten: Während bei der Erteilung einer Aufsuchungserlaubnis noch offen ist, ob es an der betreffenden Stelle wirklich Erdöl gibt, geht es bei den Bewilligungen um Felder, in denen bereits Erdöl gefunden wurde - also darum, ob die Förderung wirtschaftlich vertretbar ist.

In Schleswig-Holstein hat sich breiter Widerstand gegen die Fracking-Pläne der Konzerne entwickelt. Neben den Aktivitäten der Bürgerinitiativen vor Ort haben auch zahlreiche betroffene kommunale Parlamente Beschlüsse gefasst, Fracking-Vorhaben abzulehnen. Und alle Landtagsparteien haben sich gegen Fracking in Schleswig-Holstein ausgesprochen, die LINKE will außerparlamentarisch für ein Volksbegehren werben.

Darüber hinaus beschloss Ende vergangenen Jahres der Landtag, den Öl- und Gasförderzins in Schleswig-Holstein stark anzuheben. Seit dem 1. Januar 2015 liegt die Förderabgabe auf Erdöl und Erdgas jetzt bei 40 Prozent (vorher betrug er 21 Prozent).

Die Mitglieder der Bürgerinitiative „Frackingfreies Auenland“, die sich seit etwa einem Jahr für ein Gesamtverbot von Öl- und Gasförderung im Bereich der Erlaubnisfelder Bramstedt und Elmshorn im Kreis Pinneberg einsetzen, waren jedenfalls erfreut überrascht, als sie die Kunde vom PRD-Rückzug erhielten: „Bei uns herrscht große Freude“, berichtete Sprecher Dirk Albrecht. Im Dezember hatte es den ersten und einzigen öffentliche Auftritt von PRD Energy im Kreis Pinneberg gegeben – und der war für das Unternehmen alles andere als gut verlaufen. Als ein NDR-Kamerateam ihren Vortrag filmen wollte, brach die Sprecherin von PRD Energy ihre Rede während der Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Kein Fracking im Norden“ irritiert ab. Und auch in der folgenden Diskussion machte sie auf die Anwesenden keinen allzu sachkundigen Eindruck. Ein Landwirt, dessen Flächen an einem der Ölfelder liegen, brachte das Ergebnis der Info-Veranstaltung auf den Punkt, als er an die PRD Energy-Vertreterin gerichtet sagte: „Sie müssen mit ganz viel Widerstand rechnen. Wir werden auf keinen Fall zulassen, dass Sie unser Land betreten.“

Mit dem Rückzug des Unternehmens hat die Bürgerinitiative einen Teilerfolg errungen, sie sieht ihre Arbeit keineswegs als beendet an: „Wir bleiben wachsam“, so die BI. Es stünden einige große Firmen in den Startlöchern, die Interesse daran haben könnten, die Lizenzen von PRD zu erwerben; wie z.B RWE Dea oder Exxon.

Weiterhin wolle man sich auch verstärkt auf die politische Ebene konzentrieren, um Fracking komplett in Deutschland zu verbieten. Dass dies nötig sei, mache der Gesetzentwurf des Bundeskabinetts von Ende März zum Fracking deutlich. Nach den Plänen von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (beide SPD) soll die unkonventionelle Förderung von Erdgas aus Gesteinsschichten demnach ab einer Tiefe von 3.000 Metern erlaubt werden. Zu „wissenschaftlichen Zwecken“ soll das Fracking zudem auch in Tiefen bis zu 3.000 Metern möglich sein.

Wohl nicht ohne Hintergedanken begrüßte auch prompt der Bundesverband der Deutschen Industrie das nicht vollständige Verbot für das Gas-Fracking in Deutschland und kritisierte gleichzeitig die seiner Auffassung nach zu vielen Auflagen. Kritik gab es von der Opposition (Grüne, Linke) und den Umweltverbänden. Franziska Buch, Energiereferentin am Umweltinstitut München: „Es ist paradox: Die Bundesregierung erlaubt Fracking generell, obwohl sie selbst festgestellt hat und öffentlich kommuniziert, dass die umstrittene Fördertechnik weder einen Beitrag zum Klimaschutz noch zu unserer Versorgungssicherheit leisten kann.“ (ND 1.4.15).

text/foto: gst