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Esther Bejarano und die Microphone Mafia sangen in der Hansa48 von der Kraft des (Über-) Lebens

https://www.youtube.com/playlist?list=PLlqmDbRry1RU1Dr8RUC4ntzDQhI3NZbqR

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„Deutschland muss sterben, damit wir leben können“, skandierten vor 26 Jahren Antifas provokant. Für Esther Bejarano, Überlebende der KZs Auschwitz und Ravensbrück, war das im April 1945 nicht bloß ein Sponti-Spruch, sondern ge- und überlebte Realität, von der sie in der Hansa48 zusammen mit dem Rapper Kutlu von der Kölner Microphone Mafia und ihrem Sohn Joram am funky E-Bass erzählte und sang. Aus ihren „Erinnerungen“ liest Esther zunächst: Ihre Erlebnisse im Lager Birkenau, wo sie der Gaskammer nur entrann, weil sie im Mädchenorchester des Lagers Akkordeon, Blockflöte und schließlich auch Gitarre spielte. Die Musik ließ sie überleben – in solcher wie jeder Hinsicht. Die sie befreienden alliierten Soldaten (sie selbst nennt das „Wiedergeburt“) baten sie zu singen. Und das tut die 91-Jährige noch heute, klein an Gestalt, aber mit fester Stimme, wenn sie mit Kutlu rappt.  „Per La Vita“ heißt das multikulturelle und vielsprachige Album, das sie 2009 zusammen mit den Kölner Rappern produzierte.

Es ist eine Sammlung von Liedern, die sich widerständig gegen den Rassismus alter und neuer Prägung wenden und damit für ein Leben im Miteinander plädieren. „Sog nischt kejnmol, as du gejst den letstn Weg“, dichtete 1943 kurz vor seiner Ermordung der jiddische Dichter Hirsch Glik. Bejarano singt den „Rapfrain“ mit Inbrunst und geballter Faust. Letztere reckt auch das Publikum bei „Bella Ciao“, „Viva La Verita“ und „Shir Shalom“, schließlich feiern wir morgen den 1. Mai.  

Aber nicht nur antifaschistische Kampflieder lassen Bejarano und die MM wiederaufleben, auch Brecht/Eislers „Ballade von der Judenhure Marie Sanders“. Denn noch heute gibt es Ressentiments gegen die „Schwarzköpfe“ aus allen Landen der Levante. Wie sie zu uns kamen, als billige Arbeitskräfte, aber Verachtete, davon weiß Kutlu das Lied seiner Väter zu singen. Vollständig listet er die „Pogrome“ auf, die Migranten verbrannten – Rostock-Lichtenhagen, Mölln, Solingen. Und die Liste der fremdenfeindlichen Anschläge reißt gerade heute nicht ab: die Morde des NSU, die Hetze von Pegida, AfD und Co. ... Dass der Widerstand zum Leben vorgestern, heute und zumal morgen ungebrochen und nach wie vor (über-) lebensnotwendig ist, zeigen Esther Bejarano und die MM in ihren Liedern. In solche wird von den zumeist jungen ZuhörerInnen kämpferisch beseelt eingestimmt. 

Jörg Meyer