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Aufruf zum Kieler Bündnis für bezahlbaren Wohnraum 

Die Lage auf dem Kieler Wohnungsmarkt ist dramatisch. Alle Kennzahlen sprechen dafür, dass die Mieten in Kiel in den nächsten Jahren explodieren werden. Im aktuellen Wohnungsbauatlas belegt Kiel bundesweit den letzten Platz (1)

Bei einer Untersuchung des Fernsehmagazins Panorama über die Bezahlbarkeit des in Kiel neu geschaffenen Wohnraums für Durchschnittsverdiener_innen kam heraus, dass nur 2% der in Kiel neu gebauten Wohnungen mit einem Durchschnitts-einkommen bezahlbar sind. Die übrigen in Kiel neu gebauten Wohnungen bedienen das Luxussegment und fungieren als Spekulationsobjekte für private Investor_innen. (2)

Von 2008 – 2015 sind die Angebotsmieten in Kiel um 18% gestiegen. (3) Hinzu kommt eine immer schneller wachsende Stadtbevölkerung auch in der Zukunft. Bis 2030 wird die Kieler Bevölkerung um ca. 10% anwachsen. Immer mehr Studierende, immer mehr Menschen im Dienstleistungssektor mit niedrigem Einkommen und Geflüchtete haben einen großen Bedarf an günstigem Wohnraum, der schon jetzt nicht gedeckt ist. Von 2011 bis 2015 hat sich die Zahl der Menschen ohne Wohnung in Kiel von 307 auf 938 mehr als verdreifacht. (4)

Parallel zur Entwicklung im Luxussegment ist der öffentlich geförderte Wohnraum in Kiel auf dem Rückzug. Die Angebotslücke in diesem Segment liegt seit 2014 bei über 14.000 Wohnungen. Dies ist u.a. das Ergebnis einer Gesetzesänderung auf Landesebene, die die soziale Mietpreisbindung öffentlich geförderten Wohnraums für bestehende und neu gebaute Wohnungen auf 35 Jahre absenkte. Der Anteil an geförderten Wohnraum in Kiel sank von 15,7% 2005 auf 6,7% 2015. (5)

Wohnungen sind wegen der niedrigen Zinsen auf den Finanzmärkten in den letzten Jahren immer mehr als hohe Rendite erzielende Kapitalanlagemöglichkeit in den Fokus genommen worden. Außerdem kommt es auf dem Wohnungsmarkt zu Fusionen von Multimilliarden Unternehmen wie der Deutschen Annington und der Gagfah, die in Kiel nun den Markt dominieren. Appelle an Privatinvestor_innen doch auf ein paar Prozent Rendite zu verzichten und stattdessen günstigeren Wohnraum anzubieten werden nichts bringen. Das Interesse der Aktionär_innen nach hohen Renditen ist nicht mit dem Wunsch der Kieler Mieter_innen nach bezahlbarem Wohnraum vereinbar. 

Wir fordern die Ratsversammlung der Stadt Kiel auf, in diesen Teufelskreis einzugreifen. Eine Möglichkeit dafür sehen wir in einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft in einer Größe, die den Markt beeinflussen kann. Wir fordern die Stadt Kiel auf, auf öffentlichen Flächen zukünftig selber zu bauen, statt diese an Investor_innen zu verkaufen. Nur so kann gewährleistet werden, dass genügend Wohnraum für Menschen mit niedrigem und durchschnittlichem Einkommen zur Verfügung steht. Der Verkauf der Kieler Wohnungsbaugesellschaft im Jahr 2000 war ein großer Fehler. 

Wir fordern die Ratsversammlung auf, verbindlich einen Mindestanteil von 40 % geförderten Wohnraums bei allen Neubau-projekten festzuschreiben. In Stadtteilen mit sehr hohen Mieten einen größeren Anteil. 

Wohnen ist ein Grundrecht und muss wieder Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge werden. Die Ratsversammlung muss handeln! 

1 http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Wohnatlas-2016-Kiel-hinkt-im-Wohnungsbau-hinterher


2https://www.ndr.de/der_ndr/presse/mitteilungen/Analyse-Privater-Neubau-hilft-nicht-gegen Wohnungsnot,pressemeldungndr17374.html

3Kieler Sozialbericht 2016

4 Ebd.
5 Ebd.