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Weder BIG BAU noch Landeshauptstadt hat Interesse an sozialem Wohnungsbau

Als Anwohner*inneninitiative Marthastraße haben wir die Ortsbeiratssitzung am 21.11.17 des Ortsbeirats Mitte besucht. Während die Bauunternehmen bereits erste Arbeiten in der Marthastraße verrichten, fehlt es bisher an sämtlichen Informationen für Anwohner und Öffentlichkeit. Der Bauherr BIG BAU stellte hier erstmals seine Pläne für die Bebauung der Marthastraße der Öffentlichkeit vor. Sämtliche Pläne liegen in abschließender Fassung vor und alle Verhandlungen sind bereits geführt. Bürgerbeteiligung sucht man hier vergeblich. Dass die Bebauung der größten verbliebenen Innenstadtbaufläche vorbei an Anwohnern und Ortsbeirat durchgesetzt wurde, stimmte die Ortsbeiräte gleichermaßen negativ wie die Anwohner.

 "Es bleiben viele Fragezeichen und großes Unverständnis über die Informationspolitik von Stadt und Bauherr" – Sebastian (Anwohner)

Während die BIG BAU permanent von sozialem, durchmischtem, günstigem Wohnraum spricht, zeichnete sich in ihrer Kalkulation der Mietpreise ein anderes Bild. Für die günstigste Wohneinheit von nur 21 m² im "studentischen Wohnen" schlägt das Unternehmen einen Mietpreis von 13,33 € pro m² vor, worauf ein Investor, der diese Wohneinheit schlussendlich vermieten wird, seinen eigenen Teil aufschlagen wird. Damit liegen sie deutlich über den ortsüblichen Mietpreisen und nutzen die Notlage aller Menschen, die in Kiel vergeblich auf Wohnungssuche sind, aus.

"Das Wohnen im Viertel wird durch diesen hochpreisigen Wohnraum massiv gefährdet und der steigende Mietspiegel wird seinen Teil dazu beitragen, Geringverdienende, Studierende und Auszubildende aus dem Stadtteil zu verdrängen." – Anna (Anwohnerin)

Der fast 30 Jahre alte Bebauungsplan (699) wurde nie aktualisiert und an heutige Anforderungen für Wohnbebauung angepasst, was ein städteplanerisches Versäumnis sondergleichen darstellt. Die Stadt Kiel hat scheinbar keinen Hebel angesetzt, um einen Anteil an sozialem Wohnungsbau zu realisieren. Wenn man der BIG BAU glauben darf, so hat die Stadt sogar den zum Selbstkostenpreis angebotenen Wohnkomplex für sozialen Wohnraum ausgeschlagen und so über 100 Wohneinheiten dem Markt überlassen, statt diese selbst zu vermieten und so das Versprechen nach sozialem Wohnraum für Kiel dem Profitinteresse von Wohnungsinvestoren geopfert. Über anfallende Baumaßnahmen in der bisherigen Marthastraße konnten weder Ortsbeirat noch Bauherr Aussagen treffen.

"Dass es zu massiven Beeinträchtigungen kommen wird, kann keiner leugnen, unter welchen Bedingungen dies passieren wird, will uns jedoch scheinbar keiner beantworten." – Jan (Anwohner)

"Wir als Anwohner*inneninitiative werden diesen Veränderungen nicht tatenlos zusehen. Wir fordern Bauherren und Stadt auf, Lösungen zu entwickeln, wie sozialer und günstiger Wohnraum geschaffen werden kann und wie Anwohner und betroffene Mitbestimmungsgremien eingebunden werden können." – Florian (Anwohner)

Insbesondere für Baumaßnahmen, welche die bisherigen Bewohner des Viertels betreffen, erwarten wir volle Transparenz und Einbindung, um ein Quartier von hoher Lebensqualität für alle zu schaffen, statt bisheriges günstiges, urbanes Wohnen zu verdrängen.

Wir fordern alle Beteiligten auf:

• Grundlegende Spielregeln der Bürgerbeteiligung einzuhalten!

• Sozialen Wohnraum zu realisieren!

• Möglichkeiten des Milleuschutzes für bisherige Mieter zu prüfen!

     • Die Baumaßnahmen mit den Anwohnern zu kommunizieren und zu gestalten!     

(Presseerklärung der Anwohner*inneninitiative Marthastraße, 22.11.2017)