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Stadt ehrt endlich Ernst Busch:

Vorwärts  und nicht vergessen

01. Oktober 2011  Das jahrzehntelange Engagement fortschrittlicher Kieler Bürger, dem großen Sohn der Stadt, Ernst Busch, endlich seine gebührende öffentliche Würdigung zuteil kommen zu lassen, hatte endlich Erfolg. Am 2. September wurde der so genannte Wasserplatz am Germaniahafen auf der Gaardener Seite der Hörn in Ernst-Busch-Platz umbenannt. Unter den Anwesenden der Zeremonie waren viele, die bereits vor 11 Jahren, zu Ernst Buschs 100. Geburtstag gehofft hatten, dass die Stadt über ihren antikommunistischen Schatten springen möge: Allen voran die Mitglieder des Kieler Ernst-Busch-Chores, des Motorradclubs „Kuhle Wampe“, Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Sozialisten (Die LINKE), Kommunisten (DKP). Wenn ein wenig Kritik an die Teilnehmer gerichtet werden sollte: Ein wenig mehr rote Fahnen hätte Ernst Busch bestimmt gefallen. Nun gut – wir werden`s irgendwann bestimmt nachholen.

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Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig (SPD) würdigte Ernst Busch als bedeutende Kieler Persönlichkeit. „Es gibt Dinge in Buschs Leben, die ich nicht teilen kann“ so Albig, dennoch würdige man einen „brillanten Sänger und Schauspieler, aber auch einen politisch engagierten Menschen, der gegen Faschismus und für die Rechte der Arbeiter eintrat.“ Es ist nur zu begrüßen, das die Kieler Sozialdemokraten sich in den letzten Jahren wieder stärker auf geschichtliche Traditionen der Arbeiterbewegung der Stadt besinnen und diese in der Öffentlichkeit und im Stadtbild zu verankern suchen. Das betrifft z.B. die Würdigung des Kieler „Matrosenaufstandes“ durch die Umbenennung des Bahnhofsvorplatzes in „Platz der Kieler Matrosen“ oder die Teilnahme an der Aktion „Stolpersteine“ bei der u.a. auch antifaschistische Widerstandskämpfer aus der Arbeiterbewegung gewürdigt werden.
 
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Aber es bleibt natürlich noch vieles zu tun. Erinnert sei nur an das unselige „Hindenburgufer“, das einer schnellstmöglichen Umbenennung harrt. Im Zusammenhang mit den letztjährigen Gedenken an den Beginn der Novemberrevolution in Kiel wurde das Ufer bereits mehrmals symbolisch in Gedenken an den Vorsitzenden des Kieler Arbeiter- und Soldatenrates in Karl-Artelt-Ufer umbenannt. Dieser symbolischen Handlung sollte schnellstmöglich ein entsprechender Beschluss der Kieler Stadtvertretung folgen. Dies wird sicherlich auf den erbitterten Widerstand konservativer Kräfte in der Stadt treffen, die in Hindenburg nach wie vor als einen ihrer politischen Vorbilder sehen (Militarismus, Ostexpansion). Aber gerade im Vorfeld des 100. Jahrestages des Beginns des 1. Weltkrieges (1914), der Diskussion über die Rolle der Bundeswehr und der Rolle der Marine und des Rüstungsstandortes Kiel im Besonderen ist diese Diskussion vonnöten. Und in dieser Diskussion müssen auch die SPD und die Gewerkschaften Farbe bekennen: Die Ehrung der revolutionären Matrosen und Arbeiter und des Kommunisten Ernst Busch ist die eine Seite – Schlussfolgerungen aus ihren Kämpfen für die Gegenwart zu ziehen ist die notwendige andere Seite.
 
(gst)
 

Das Solidaritätslied
 

Refrain:

Vorwärts und nicht vergessen,

worin unsere Stärke besteht!

Beim Hungern und beim Essen,

vorwärts und nie vergessen:
die Solidarität!


1. Auf ihr Völker dieser Erde,

einigt euch in diesem Sinn,

daß sie jetzt die eure werde,

und die große Näherin.



Refrain


2. Schwarzer, Weißer, Brauner, Gelber!

Endet ihre Schlächterei!

Reden erst die Völker selber,

werden sie schnell einig sein.

Refrain


3. Wollen wir es schnell erreichen,  brauchen wir noch dich und dich.

Wer im Stich läßt seinesgleichen, läßt ja nur sich selbst im Stich.


Refrain


4. Unsre Herrn, wer sie auch seien, sehen unsre Zwietracht gern,

denn solang sie uns entzweien,
bleiben sie doch unsre Herrn.

Refrain



5. Proletarier aller Länder, einigt euch und ihr seid frei.

Eure großen Regimenter brechen jede Tyrannei!

Vorwärts und nicht vergessen

und die Frage konkret gestellt

beim Hungern und beim Essen:

Wessen Morgen ist der Morgen? Wessen Welt ist die Welt?


Text: Bert Brecht, Musik: Hans Eisler
 


Wer war Ernst Busch?

Geboren 1900 in Kiel absolvierte Ernst Busch eine Lehre als Schlosser auf der Germaniawerft (ging nach 1945 in HDW auf), war im November 1918 Teilnehmer am Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand, Theaterschauspieler in Kiel und Berlin, Kino- und Schallplattenstar der späten Weimarer Republik. Hier spielte er u. a. in dem Film „Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt“ und sang dort das berühmte Solidaritätslied. Nach der Machtübergabe an Hitler floh Busch in Sowjetunion und begab sich sofort nach Beginn des spanischen Bürgerkrieges zu den dort auf Seiten der Republik kämpfenden Internationalen Brigaden; trat dort an der Front und im belagerten Madrid auf. Nach der Niederlage der Spanischen Republik wurde er an das faschistische Deutschland ausgeliefert und dort wegen Hochverrat zum Tode verurteilt. Durch die Fürsprache seines früheren Kollegen Gustav Gründgens wurde das Urteil in eine Zuchthausstrafe umgewandelt und im Mai 1945 befreite ihn die Rote Armee aus der Haft. Bis zu seinem Tode (1980) lebte und arbeite Busch als Schauspieler und Sänger in der DDR – besonders produktiv waren die Jahre der Zusammenarbeit mit Bert Brecht und Hanns Eisler von 1946 bis 1956. In diesem Zeitraum war er nicht nur in zahlreichen Rollen am Berliner Ensemble zu sehen sondern nahm an die 150 Lieder auf: neben den alten Arbeiterkampfliedern, Chansons ( Tucholsky), Spanienliedern auch viele neugeschaffene Lieder (Antikriegslieder, DDR-Aufbau-Lieder).

Busch, seit Ende der 20er Jahre KPD- und ab 1946 SED-Mitglied, sah im Aufbau des Sozialismus in der DDR eine große Hoffnung, dass zumindest in einem Teil Deutschlands die Lehren aus zwei imperialistischen Kriegen gezogen wurden. In einem Interview, dass er 1966 einer Kieler Jugendzeitschrift gab, sagte er: „Ich singe nicht nur für die Deutschen in unserer Republik. Viele der Lieder sind Antikriegslieder. In dieser Hinsicht hat sich die Lage ja nicht verändert.“ Gegenüber dem DDR-Kulturbetrieb hatte Busch mitunter eine kritische Sicht. Sein rauhbeiniges Auftreten brachte ihm manchen Ärger. Aber er bewegte etwas. In dem bereits zitierten Interview schließt Busch mit der Bemerkung: “Die Westdeutschen sollten froh sein, dass die DDR existiert.“