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Ein Musiker, Liedermacher, Literat:

Unser Genosse Franz Josef Degenhardt ist tot


01. 12.  2011  Er hätte sich sicher gefreut über die Feiern, die zu seinem Geburtstag geplant waren. Nicht nur wegen der Auftritte der mit ihm verbundenen Künstlerinnen und Künstler, sie wären auch ein Beispiel politisch bewegender Kunst geworden. Jetzt werden die Feste einen anderen Charakter bekommen, hoffentlich im Sinne Degenhardts immer noch mit einem bissigen Blick und Wort, das unsere gesellschaftlichen Verhältnisse auf- und angreift. Mit Worten und Meinungen, die die Wünsche und Hoffnungen der Menschen auf eine andere Welt, die ein gleichberechtigtes Leben in Frieden und mit sozialer Gerechtigkeit darstellen.
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degenDafür ist er mit seinen künstlerischen Mitteln aufgetreten. Vielen Menschen hat er mit seiner Stimme, seiner Musik, seinen Büchern nachdenkliche, aber auch streitbare, aufmunternde und kämpferische Stunden bereitet. Und Franz Josef lebte, was er in „Zwischentönen“ und direkt vermittelte. Einfach hatte er es sich – und damit auch seiner Familie – nicht gemacht. Als geachteter Künstler und Rechtsanwalt ist er gegen die Berufsverbote in den 70er Jahren angetreten. Die SPD hat ihn 1971 ausgeschlossen, weil er zur Wahl der DKP für den Landtag in Schleswig-Holstein aufgerufen hatte. Eine Konsequenz war sein Eintritt in die DKP. Wohlwissend, dass er als Künstler nun ähnliche Erfahrungen machen musste, wie die von ihm vertretenen Berufsverbotsopfer. Degenhardt wurde aus den bürgerlichen Medien verbannt. Es ist denen nicht ganz gelungen, die Kunst Degenhardts wurde zu sehr geschätzt. Er blieb und bleibt einer der größten politischen Kulturschaffenden in diesem Land. Müßig eigentlich, die Frage zu stellen, welche Achtung ihm und seiner Arbeit entgegengebracht würde, wäre er nicht Kommunist geworden: von der einen Seite hätte er vielleicht mehr Aufmerksamkeit für sein Schaffen erhalten. Für uns zählte seine Parteilichkeit, die damit verbundene Menschlichkeit und der Mut für neue Ideen. Er war und bleibt unser Genosse mit dem aufrechten Gang. Wir sind mit seiner Familie traurig, dass er nicht mehr lebt.  Doch er wird uns auch in Zukunft mit seinen Liedern bei unseren Festen und bei unseren Kämpfen für eine sozial gerechte und friedliche Welt begleiten. Farewell, Franz Josef!
Bettina Jürgensen, Vorsitzende der DKP