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Aktuelles aus Kiel

01. April 2011 Die Kampagne „Gute Saat für Kiel“ hat erfolgreich begonnen. Über 4.000 Tüten mit Saatgut wurden auf 7 Kieler Märkten und in 18 Geschäften verteilt. Die große Nachfrage nach Saatgut war kaum zu fassen, in einigen Ausgabestellen waren die ersten Kisten schnell leer und es musste nachgelegt werden. „Wenn ihr Kielerinnen und Kieler so weitermacht, werden wir Kiel umtaufen in Gartenstadt Kiel. Mit dem Nutzungswandel von Balkonen, Hinterhöfen und Stadtflächen liegen wir dann im zukunftsweisenden Trend.“, heißt es auf der Internetseite mit der die Kampagne begleitet wird.
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Im Herbst wird auf einer Erntedankaktion mit einer Ausstellung über die Erfolge berichtet und Saatgut für den eigenen Anbau ausgetauscht werden. An der Durchführung beteiligten sich viele aktive Menschen insbesondere aus der Initiative „Kiel im Wandel“ und der BI „Gentechnikfreies Schleswig-Holstein“. Gemüseanbau in der Stadt – das ist nicht nur eine kreative Aktion, denn es ging auch darum, einen Beschluss der Stadt Kiel „Keine Gentechnik auf Kieler Tellern“ bewusst umzusetzen. Auf einer Veranstaltung mit ca. 25 TeilnehmerInnen, wurde vom Ablauf der Kampagne berichtet und Tipps für die erfolgreiche Aufzucht der verteilten Saat gegeben, wobei die professionelle Gemüsegärtnerin und Landwirtschaftsmeisterin, Wiebke Busch, mit ihrer Kompetenz begeisterte.

Aber nicht nur das! Saatgut ist elementar für unsere Ernährung und wird abseits der öffentlichen Wahrnehmung unserer allgemeinen Verfügbarkeit entzogen (Patentierung, Gesetzgebung, Monopole, Einschränkung von alten Sorten). Bis vor ca. 100 Jahren war Saatgut keine Handelsware, sondern wurde von den Bauern und Gärtnerinnen selbst erzeugt, gezüchtet und getauscht. Was in der Zwischenzeit passiert ist und wie Konzerne über die Gentechnik die Vielfalt und Ernährungssicherheit gefährden, darum ging es auch auf der Veranstaltung. Die BI „Gentechnikfreies Schleswig-Holstein“ warnte aktuell vor einer geplanten Verschärfung des Saatgutrechtes in der EU. Danach wollen die Saatgutkonzerne die Vorteile von Patenten auf Pflanzen (auch ohne Gentechnik) nutzen. Sie fordern deshalb von der EU, dass

„1. die Vorteile des Patentrechtes den bisherigen Sortenschutz ergänzen und die Identi?kation aller Sorten auf dem Feld durch molekulare Marker ermöglicht wird;

2. die Prüfung für die Zulassung der Sorten von der Saatgutindustrie selbst durchgeführt werden kann;

3. bäuerliches Saatgut und Nachbau wegen Wettbewerbsverzerrung und sanitärer Gefahren verboten wird;

4. ihre Monopolrechte auf eine zugelassene Sorte von 25 auf 30 Jahre ausgedehnt werden.“

Damit droht die Landwirtschaft in eine völlige Abhängigkeit von den wenigen Saatgutkonzernen zu kommen, die - nicht zufällig - mit den großen Chemiekonzernen eng verflochten sind. Dies gilt es zu verhindern.

Wer Zugang zu Saatgut, Erde und Wasser hat, braucht nicht zu hungern, weil die Natur für ihn sorgt. Wie es mit dem Säen und Pflanzen in Kiel weiter geht, liegt in unser aller Köpfen, Herzen und Händen! Wer sich der Kampagne anschließen will oder sich weiter informieren will, kann dies unter

http://gutesaat.kielimwandel.de