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Griechenland-Solidaritätskomitee und RLS:

Friedhof Ägäis

01. März 2016 Zur Situation der Flüchtlinge auf Lesvos und der Balkanroute

Veranstaltung des Griechenland-Solidaritätskomitees und der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit:

- Claus Kittsteiner, Mitglied von attac und Griechenland-Soli-Aktivist, Teamleiter des Projektes „Volunteers for Lesvos” auf Lesbos (Griechenland)

- Antirassistischen Aktivist_innen aus Kiel, die in Idomeni, an der griechisch-mazedonischen Grenze, ankommende Geflüchtete direkt unterstützten. In der Veranstaltung werden sie von ihren Erfahrungen berichten und Möglichkeiten zur praktischen Unterstützung aufzeigen.

Donnerstag, den 31. März um 19.30 Uhr in der Pumpe (Galerie)

Wie ist die aktuelle Lage in Griechenland?

Ca. 800.000 Flüchtende – überwiegend aus Syrien, Afghanistan und Irak – sind im vergangenen Jahr im krisengeschüttelten Griechenland gestrandet. Die mit Aufopferungsbereitschaft kämpfenden solidarischen Menschen und Gruppen und Teile der griechischen Küstenwache haben 104.000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet.

Die EU-Innenminister haben Griechenland nun aufgefordert, seine Seegrenze besser zu schützen. Sollte das nicht gelingen, könne Griechenland vorübergehend aus dem Schengenraum ausgeschlossen werden. Möglicherweise will die EU nun auch Frontex, die „EU-Grenzschutztruppe“ nach Griechenland schicken, um auf eigene Initiative Grenzkontrolleure mit dem Schutz der Außengrenze zu beauftragen. Und nach Plänen der Bundesregierung sollen nun auch noch NATO und Bundeswehr mit Kriegsschiffen in der Ägäis Jagd auf Flüchtlinge machen.

Die Abschottungspolitik der EU und ihre Kriegspolitik ist für die Flüchtlinge ein Desaster. Türkische Sicherheitskräfte fingen im Dezember an, Flüchtlinge daran zu hindern, von der türkischen Küste auf griechische Inseln überzusetzen. Deshalb müssen sie jetzt auf Passagen ausweichen, auf denen die Bootsfahrt noch gefährlicher ist. Daher ist zu erwarten, dass immer mehr Menschen ihre Flucht mit dem Leben bezahlen.

Hinzu kommt, dass die griechische Regierung aus extrem nationalistischen Gründen den NATO-Zaun am Fluss Evros, der natürlichen Landesgrenze zwischen Griechenland und der Türkei, in vollem Widerspruch zu den Erklärungen SYRIZAs bis Mai 2015 sich weigerte zu entfernen und so direkt zum Ertrinken so vieler Menschen beitrug.

Die Erpressung Griechenlands verschärft die bereits bestehende humanitäre Katastrophe. Statt Lager an den Außengrenzen der EU einzurichten, in denen Geflüchtete für längere Zeit zu schlechtesten Bedingungen leben sollen, müssen legale und sichere Wege für Schutzsuchende geschaffen werden. Durch die in Deutschland beschlossenen Asylrechtsverschärfungen und die Dublin-Richtlinien der EU wird Griechenland zusätzlich unter Druck gesetzt, statt das Land finanziell ausreichend zu unterstützen, damit die katastrophale humanitäre Situation der Geflüchteten insbesondere auf den Inseln verbessert werden kann.

„Volunteers for Lesvos”.

Claus Kittsteiner, Mitglied von attac und Griechenland-Soli-Aktivist ist seit dem Sommer 2015 als freiwilliger Helfer auf der Insel Lesbos und seit November Teamleiter des Projektes „Volunteers for Lesvos“.

Die Bemühungen lokaler Behörden und Initiativen, aber auch des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) und einiger der dort vielen tätigen Nichtstaatlicher Organisationen (NGOs) führten dort zu besseren Aufnahmebedingungen der Ankommenden.

Das Projekt wurde von der Initiative „Respekt für Griechenland” ins Leben gerufen, mit dem Ziel die lokalen Organisationen zu unterstützen, die sich seit Jahren engagieren, um die Situation für die Ankommenden erträglicher zu machen, Versorgungslücken zu schließen und sichere Räume zu schaffen. Dafür ist ein Team wechselnder Freiwilliger über einen längeren Zeitraum vor Ort. Die Arbeit selbst ist ehrenamtlich, jedoch müssen die Kosten für Anreise und Unterkunft aufgebracht werden. Außerdem sollen die Freiwilligen mit einem Fond zur spontanen und situationsabhängigen Linderung der größten Not ausgestattet sein.

Aktuell schrieb Claus Kittsteiner über seine Erfahrungen aus Lesbos:

„Hin und wieder zeigt sich ein Politiker vor den Kameras, lobt die Arbeit der Freiwilligen und verschwindet nach salbungsvollen Worten ohne Folgen, wenn ihn z.B. der Bürgermeister der Hauptstadt von Lesbos fragt, warum denn die Flüchtenden mit ihren Kindern nicht sicher über die Fähren von der Türkei übersetzen dürfen in Anbetracht der vielen Ertrunkenen, darunter auch sehr viele Kinder. Humanitäre Bekundungen nicht nur im Munde zu führen, sondern sie umzusetzen an Stelle von todbringenden EU-Regeln fordert auch er damit - unbequemer Weise.   Auch hier auf Lesbos sind – wie in den Jahren zuvor und, wie es heißt, auch weiterhin in den kommenden Jahren – in den ersten Tagen des neuen Jahres 2016 zahlreiche Schlauchboote aus der Türkei angekommen - bei null Grad, die Menschen durchgefroren, durchnässt, krank, nach lebensgefährlicher Überfahrt bei Wind und Wellen aufgelöst weinend, schockiert schweigend, traumatisiert.“

Idomeni – ein kleines griechisch-mazedonisches Grenzdorf hat als Nadelöhr auf der Balkan-Fluchtroute unrühmliche Bekanntheit erlangt. Seit Monaten wollen täglich hunderte bis tausende Menschen auf ihrer Flucht vor Krieg und Tod diesen Abschnitt passieren, sind dort allerdings mit rassistischer Selektion und Gewalt, polizeilichen Räumungen und einem akuten Mangel an Unterbringungen und Lebensmitteln konfrontiert. Staatliche Strukturen konzentrieren sich auf die Sicherung der Grenzen, die Versorgung der Geflüchteten wird zu großen Teilen von freiwilligen Unterstützer_innen übernommen.

       Macht mit im

       Griechenland-Solidaritätskomitee Kiel!

       Kontakt: info@griechenlandsolikiel.de

       Web: http://griechenlandsolikiel.de

(gst)