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Städtischer Gewerbewahn

01. September 2017 Ein neues Gewerbegebiet „Boelckestraße Nord“ im Norden Kiels hat die Stadt Kiel auf den Weg gebracht. Die 9,1 ha große Fläche befindet sich direkt gegenüber der Einfahrt zum Flughafengelände. Es ist eine typisch schleswig-holsteinische Knicklandschaft mit landwirtschaftlichen Nutzflächen, Grünlandflächen und alten Knicks, sowie alten Eichen mit gesetzlichem Biotopschutz.

Zudem grenzt es direkt an das Landschaftsschutzgebiet „Zwischen Heischer Tal und Schilkseer Steilküste“. Im Osten schließt sich eine Kleingartenanlage an. Als wenn es auf dem Flughafengelände mit seinem 1109 ha großem Areal nicht genügend Gewerbeflächen gäbe, zumal es hier außer Fallschirmspringen, Sportfliegerei und Bundeswehr-Zielflugkörperschießen kaum noch gewerbliche Aktivitäten gibt. Und obwohl es hier ein gewerbliches Planungsgebiet von 105 ha in einem zukünftigen „Airpark“ geben soll. Auch auf dem naheliegenden ehemaligen MFG 5-Areal gehen die Planungen von einem Gewerbeteil mit 22,5 ha Bauland aus. In Friedrichsort gibt es überall genügend Flächen auf sterbenden Industriebrachen, wie der Lindenauwerft, dem ehem. MAK-Gelände und bei Caterpillar. Wozu also für ein neues Gewerbegebiet eine sehr hochwertige und nie wieder herstellbare Naturlandschaft platt machen? 4,5 Mio. würde die Erschließung und die dafür zu schaffende Naturausgleichsfläche kosten.

Die Planungen gehen zurück auf ein Gutachten der CIMA „Strategien zur künftigen Gewerbeflächenentwicklung in der Landeshauptstadt Kiel“ um ein attraktives Flächenangebot von 25 ha bis 2025 gewerbliches Bauland neu zu entwickeln. Daraufhin wurde beschlossen die Gewerbefläche Boelckestraße als Potenzialfläche prioritär zu verwirklichen. Zwischenzeitlich wurde die Planung angehalten, weil die Flughafenentwicklung Auswirkungen habe. „Auf der Grundlage eines Vorentwurfs findet eine frühzeitige Bürgerbeteiligung statt, in der die Bürgerinnen und Bürger über die allgemeinen Ziele und Zwecke der Planung unterrichtet werden.“ heißt es jetzt mal wieder, um die Menschen in der Region vor vollendete Tatsachen zu stellen. Angeblich wurden alle Umweltunter-suchungen erfolgreich abgeschlossen und wer traut sich schon bzw. hat die nötige Kompetenz, der Stadt auf die Füße zu treten und zu verlangen, dass dieses unsinnige Projekt sofort gestoppt wird, zumal doch schon so viel Geld in die Planungen versenkt wurde.

(uws)