Beiträge

Geplantes Gewerbegebiet in Altenholz:

Gewerbewahn bedroht Kleingärten und Gedenkstätte

 

Altenholz Oskar-Kusch-Str rgb

01. Dezember 2017 Die Gemeinde Altenholz schließt sich dem Planungswahn für neue Gewerbegebiete an. Auf der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses wurde am 14.11.2017 die Erschließung eines neuen Gewerbegebietes „Am Kanal“ beschlossen. Ursprünglich sollten dafür 80.000 Euro im Haushalt zur Verfügung gestellt werden. Da es aber doch Protest und Unklarheiten gab die ehemalige Standortschießanlage der Bundeswehr und die darauf befindliche Gedenkstätte mit einzuplanen, wurden erstmal nur 40.000 Euro bewilligt. Damit soll dann weiter geprüft werden und auf alle Fälle das im Besitz der Gemeinde Altenholz befindliche 3,8 ha große Kleingartengelände beseitigt werden.

In der Bürgerfragestunde zeigte sich ein Einwohner ziemlich erschüttert über die Planungen und fragte: „Warum wollen Sie wichtiges Grünland vernichten und ein Kleingartengelände platt machen?“ Die Antwort des Bürgermeisters Carlo Ehrich (SPD) war dann sehr erhellend, denn er sagte, die Gemeinde habe kein Quadratmeter Gewerbefläche frei und sie bräuchten Gewerbesteuer-Einnahmen um den verschuldeten Haushalt (1,5 Mio.Euro) auszugleichen und außerdem wäre die Gemeinde ja auch in der sozialen Verantwortung mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Das Kleingartengelände ist derzeit an den Kleingartenverein Kiel-Holtenau verpachtet und es war dem Bürgermeister peinlich mitzuteilen, dass er bisher noch keinen Kontakt zu dem Verein herstellen konnte, so dass diese noch nicht von den Plänen unterrichtet wurden. Angeblich würden aber nicht mehr alle Parzellen bewirtschaftet. Es gäbe bereits Gewerbeanfragen. Man munkelt es handele sich um ein Logistikunternehmen. Aber wie auch in Kiel wurde hier nichts Genaues mitgeteilt. Eine Einwohnerin fragte noch, ob es denn keine Absprachen mit der Stadt Kiel gebe, die auch gerade für ein neues Gewerbegebiet an der Boelckestraße Naturlandschaften zerstören will. Ein weiterer SPD-Politiker bemerkte noch, dass es ja wohl eher angebracht sei, die Gemeindefinanzen über höhere Gemeindezuschüsse aufzubessern, aber er sprach sich dann leider auch nicht dagegen aus, das Kleingartengelände in ein Gewerbegebiet umzuwandeln.

Das zu prüfende ehemalige Schießplatzgelände in Altenholz-Knoop ist 23,6 ha groß und im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Die Gemeinde hat sich ein Vorkaufsrecht gesichert. Auf dem Gelände befindet sich neben alten Schießanlagen und einem Wald auch ein unter Denkmalschutz stehendes 1,7 ha großes Gelände. Hier wurden während des Zweiten Weltkrieges 150 Menschen erschossen. U.a. auch Oskar-Kusch, ein U-Boot-Kommandant, der wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung dort 1944 hingerichtet wurde. Daran erinnert die dort befindliche Oskar-Kusch-Straße, an deren Ende sich seit 1998 ein Gedenkstein befindet. Die Gelehrten streiten nun darüber, wo genau auf dem Gelände die Hinrichtung stattgefunden hat und erst nachdem ein Gutachten des Denkmalschutzamtes Klarheit gebracht hat, kann die Gemeinde das Gelände für die Planung als Gewerbegebiet in Angriff nehmen.

Allerdings gibt es in der Gemeinde auch andere Vorstellungen, was an diesem Standort passieren sollte. Es würde sich gut als Parkanlage und als Umweltbildungsstätte eignen, denn es gibt hier einen Naturwald, Parkanlagen, Biotope und womöglich geschützte Libellen und Fledermäuse. Möglicherweise handelt es sich sogar um ein FFH-Naturschutzgebiet. Außerdem bräuchte man bei der Umwandlung in ein Gewerbegebiet ein Entwässerungskonzept. Und so gab es denn auf der Sitzung des Bauausschusses die einstimmige Empfehlung erstmal nur das Kleingartengelände für das Gewerbegebiet platt zu machen.


(uws)