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Internationaler Frauentag:

Erinnerung an die Anfänge der proletarischen Frauenbewegung

Helene Grnig

Helene Grünig

01. April 2018 Auf einen Stadtteilrundgang durch Gaarden erinnerte der Umweltbildungsverein "Geo step by step" am 8. März am Beispiel von Helene Grünig (1871-1965) an Kieler Frauen im Ersten Weltkrieg und nach der Novemberrevolution. Eva Börnig und Sabine Maus, beide Urenkelinnen von Helene Grünig, zeichneten eindrucksvoll das Bild des proletarischen Lebens ihrer Urgroßmutter, die seit den 90er Jahren des 19.Jahrhunderts mit ihrer Familie in Gaarden lebte.

Die Referentinnen hohen hervor, dass es für die heutige Generation schwer vorstellbar ist, wie die Frauen den Spagat von Kindererziehung und Arbeiten für den Lebensunterhalt auf der einen Seite  und politische Betätigung auf der anderen Seite auf die Reihe bekommen haben.

Brnig-Maus

Die beiden Urenkelinnen Eva Börnig und Sabine Maus

Privat muss auch Helene Grünig mit wenig Geld hauswirtschaften, meist zum Lebensunterhalt dazuverdienen damit die Familie mit sechs Kindern versorgt werden kann. Daneben nimmt Helene Grünig noch zur Zeit des sogenannten Sozialistengesetzes an illegalen Sozialistentreffen in Gaarden teil und organisiert sich in der bis 1890 verbotenen Arbeiterbewegung. Zu dieser Zeit ist es Frauen verboten, an politischen Versammlungen teilzunehmen, politische Veranstaltungen zu initiieren, geschweige denn Mitglied einer Partei oder eines politischen Vereins zu sein.

Helene Grünig tritt zunächst dem 1896 gegründeten Bildungsverein für Mädchen und Frauen bei und wird dessen Kassenrevisorin. Später schließt sie sich der illegalen Frauengruppe Gaarden an, die sie 1905 zur ersten Vertrauensperson der Gaardener Frauenversammlung wählt. In dieser Funktion berief alle vier bis sechs Wochen eine öffentliche Versammlung ein. Diese Versammlungen mussten zwei Tage vorher bei der Polizei angemeldet werden; ihr Ablauf wurde durch Beamte überwacht.

Im Jahre 1905 findet eine besondere öffentliche Frauenversammlung in Gaarden statt: Luise Zietz aus Hamburg, Vertrauensperson der Hamburger Sozialdemokratinnen sowie populäre und erfolgreiche Agitatorin der sozialdemokratischen Frauenbewegung, referiert und wirbt für die Zeitschrift „Gleichheit“, die 1892 von Clara Zetkin gegründete sozialdemokratische Frauenzeitschrift. Noch auf dieser Versammlung melden sich 180 Frauen als Abonnentinnen und Wiederverkäuferinnen. Im Winter 1907 lernt Helene Grünig Rosa Luxemburg kennen und schätzen, als diese in Kiel und in Gaarden auf den Frauenversammlungen referiert.

1910 nimmt Helene Grünig am Zweiten Internationalen Frauenkongress der Sozialistinnen in Kopenhagen teil, der auf Initiative von Clara Zetkin beschließt, einen jährlich stattfindenden Internationalen Sozialistischen Frauentag für die Interessen der Frauen gegen Ausbeutung und Unterdrückung auszurufen. Bis 1921 wird der Internationale Frauentag jährlich an unterschiedlichen Tagen zwischen Ende Februar und Ende April begangen. Seit 1922 findet er weltweit am 8. März statt.

Am 29. Juli 1914 demonstrieren in Kiel Zehntausende gegen den drohenden Krieg und auf der Kieler Waldwiese wurde eine Resolution verabschiedet, in der die SPD-Reichstagsabgeordneten verpflichtet wurden, sich im Parlament mit aller Macht gegen den Krieg zu wenden. Dieser Schwur hielt aber nur einige Tage. Anfang August bewilligte die SPD-Fraktion die Kriegskredite. Nach der Novemberrevolution betätigt sich Helene Grünig weiterhin in der sozialdemokratischen Frauenbewegung. Zuletzt sprach sie Anfang 1933 auf einer öffentlichen Versammlung. 

(gst)