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Die Kriegs-Konferenz versenken!

01. Juni 2015 Die Kieler Woche – das ist eine bunte Feier des Essens und des Konsums. Man möchte meinen, die Politik stehe eine Woche lang still. Doch zunehmend zeigt sich hinter der friedlichen Fassade der Kieler Woche die hässliche Fratze des Kriegs. Die NATO zeigt Präsenz wie selten zuvor, lässt sogar ihr Manöver in der Ostsee auf der Kieler Woche enden. Und mit der „Kiel Conference“ als Teil dieses Spektakels werden im Geiste zivil-militärischer Kooperation Universität, NATO, Politik und Rüstungsindustrie ganz offen als einheitliches Interessengebiet definiert. 

Gerade vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts, des Rüstungsstandorts Kiel und des Umstands, dass immer mehr Rüstungstransporte über Kiel laufen, Kiel also gerade für den aktuellen Konflikt zwischen NATO und Russland zu so etwas wie einem „Aufmarschgebiet“ wird, ist diese Konferenz ein Skandal. Schluss mit lustig wäre angesagt – und doch besteht die Gefahr, dass die notwendige Kritik an der Militarisierung unserer Gesellschaft, an der Ausrichtung von Forschung und Lehre auf den unmittelbaren Profit (selbst wenn es das Geschäft mit dem Tod ist!) im allgemeinen, besinnungslosen Taumel untergeht. Da ist es enorm, dass sich binnen kürzester Zeit so ein breites Bündnis gebildet hat, das da nicht mitspielen will, das Sand ins gut geölte Getriebe streuen will.

Die Kriegs-Konferenz versenken will dieses Bündnis, ein Klima in der Stadt schaffen in dem das Werben fürs Töten und Sterben, die Produktion für den Krieg nicht mehr zum Alltag gehören, in der tatsächlich der Frieden zum höchsten Gut wird. Einen langen Atem wird dieses Bündnis haben müssen, sich nicht entmutigen lassen, selbst wenn es auch im nächsten Jahr wieder eine Kiel Conference geben sollte. Und es muss klar sein, dass dieses Bündnis breit sein muss in seiner inhaltlichen Ausrichtung und in der Lage, Widersprüche auszuhalten. Die Befreiung der Welt vom deutschen Faschismus hat sich am 8. Mai zum siebzigsten Mal gejährt. Eine Welt des Friedens und der Freiheit aufzubauen hatten sich die Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald geschworen. Dieser Utopie sollten wir verpflichtet bleiben!

Lorenz Gösta Beutin.